Landtagswahl 2026: Was die Baupolitik des Landes für kommunale Gebäude wirklich bedeutet
GebäudeCheck
Die Parteien versprechen zur Landtagswahl 2026 mehr Tempo beim Bauen, neue Investitionen und ambitionierten Klimaschutz. Für Kommunen entscheidet sich jedoch im Gebäudebestand, ob diese Ziele überhaupt umgesetzt werden können. Nur mit belastbaren Gebäudedaten lassen sich politische Programme in konkrete Projekte übersetzen.
Die Landtagswahl 2026 steht stark im Zeichen der Baupolitik. Wohnraummangel, steigende Baukosten und ambitionierte Klimaziele prägen die Programme der Parteien. Schnellere Genehmigungen, mehr Investitionen und eine stärkere Digitalisierung der Verwaltung gehören zu den zentralen Versprechen. Für Städte und Gemeinden stellt sich jedoch eine andere Frage: Welche Konsequenzen ergeben sich daraus für den eigenen Gebäudebestand?
Vor der Wahl hat die Immobilienwirtschaft ihre Erwartungen deutlich formuliert. Verbände wie die Immobilienwirtschaft Stuttgart fordern niedrigere Standards, schnellere Verfahren und investitionsfreundlichere Rahmenbedingungen. Die Bauwirtschaft Baden-Württemberg mahnt verbindliche Fristen und klarere Zuständigkeiten bei Baurechtsbehörden an. Der Verband baden-württembergischer Wohnungs- und Immobilienunternehmen verlangt vor allem verlässliche Förderprogramme und eine stärkere Beteiligung des Landes am sozialen Wohnungsbau. Gemeinsam ist diesen Positionen die Forderung nach mehr Tempo und mehr Planungssicherheit.
Blick in die Wahlprogramme
Für Kommunen bedeutet das jedoch nicht automatisch Entlastung. Neue Programme und beschleunigte Verfahren erhöhen zugleich den Druck, Projekte kurzfristig entscheidungsreif vorzubereiten. Ein Blick in die Wahlprogramme zeigt, dass zentrale Themen des kommunalen Gebäudemanagements bereits politisch gesetzt sind – allerdings mit unterschiedlichen Akzenten. Die CDU setzt vor allem auf mehr Neubau und geringere Kosten. Wohnungen sollen vor allem durch vereinfachte Verfahren, weniger Auflagen und mehr Bauland entstehen. Geplant sind flexiblere Baustandards und ein neuer Gebäudetyp mit abgesenkten Anforderungen, um Baukosten zu senken und Projekte schneller umzusetzen. Gleichzeitig will die CDU Bauverfahren stärker digitalisieren und etwa große Infrastrukturprojekte über BIM-basierte Plattformen steuern, um Planung und Umsetzung transparenter zu machen.
Die Grünen legen dagegen einen stärkeren Schwerpunkt auf den Gebäudebestand. Sie betonen ausdrücklich, dass Wohnraumpolitik nicht allein auf Neubau setzen dürfe, sondern stärker auf Umnutzung bestehender Gebäude und erleichterte Umbauten ausgerichtet werden müsse. Digitale Bauverfahren sollen Planungen beschleunigen und Ressourcen sparen. Gleichzeitig wollen die Grünen Instrumente wie einen digitalen Gebäuderessourcenpass einführen, der Materialeinsatz und Wiederverwendbarkeit von Gebäuden dokumentiert. Öffentliche Gebäude sollen schrittweise modernisiert werden, während Programme zur Innenentwicklung und zur Umnutzung leerstehender Gebäude – besonders im ländlichen Raum – weiter ausgebaut werden sollen.
Für Kommunen ergeben sich daraus klare Konsequenzen – unabhängig davon, welche Partei künftig regiert. Wenn Verfahren beschleunigt werden sollen, müssen Projekte schneller entscheidungsreif vorbereitet werden. Wenn energetische Sanierungen stärker gefördert oder eingefordert werden, braucht es belastbare Daten über Energiezustand und Sanierungsbedarf. Und wenn der Gebäudebestand stärker genutzt werden soll, müssen Kommunen zunächst wissen, welche Gebäude überhaupt geeignet sind. Politische Programme können Rahmenbedingungen setzen, doch die praktische Umsetzung beginnt immer mit einer systematischen Bestandsaufnahme.
Ein großer Teil der politischen Debatte richtet sich weiterhin auf Neubauprojekte. Für Städte und Gemeinden liegt die größere Herausforderung jedoch meist im Bestand. Schulen, Rathäuser, Sporthallen oder Verwaltungsgebäude stammen häufig aus den Ausbauphasen der 1960er- bis 1980er-Jahre. Viele dieser Gebäude sind energetisch überholt, gleichzeitig steigen Baukosten. Und der Fachkräftemangel erschwert die Umsetzung von Maßnahmen zusätzlich. Während die Parteien in ihren Wahlprogrammen Investitionen ankündigen, bleibt offen, wie Kommunen priorisieren sollen, wenn gleichzeitig mehrere Gebäude sanierungsbedürftig sind.
Neue Nachfrage – neue Aufgaben für Kommunen
Neben politischen Vorgaben verändert auch die Nachfrage nach Wohnraum die Perspektiven vieler Städte und Gemeinden. Auch neue Daten zeigen, dass sich der Wohnungsbedarf in Deutschland differenziert entwickelt. Eine repräsentative YouGov-Umfrage aus dem Jahr 2026 im Auftrag von Kleinanzeigen zeigt, dass sich Wohnwünsche stärker in Richtung kleinerer Städte und ländlicher Räume verschieben. Rund 24 Prozent der Befragten sehen ihre ideale Wohnung auf dem Dorf oder im Grünen, während nur 13 Prozent das Zentrum einer Großstadt bevorzugen.
Besonders gefragt sind Drei-Zimmer-Wohnungen (33 Prozent) sowie Vier-Zimmer-Wohnungen (29 Prozent) mit einer Wohnfläche zwischen 61 und 120 Quadratmetern, die zusammen von über 60 Prozent der Befragten bevorzugt werden. Auffällig ist auch, dass selbst Ein-Personen-Haushalte mehrheitlich Drei-Zimmer-Wohnungen wünschen. Für Kommunen bedeutet das: Der Druck auf den Gebäudebestand wird nicht nur in Großstädten steigen, sondern zunehmend auch in kleineren Städten und Gemeinden, die geeignete Wohnungen bereitstellen müssen – oft durch Umbau, Sanierung oder Umnutzung bestehender Gebäude.
Gerade für kleinere Städte und Gemeinden kann diese Entwicklung neue Chancen eröffnen. Wenn mehr Menschen Wohnraum außerhalb der großen Zentren suchen, steigt die Bedeutung vorhandener Gebäude in Ortskernen und gewachsenen Wohngebieten. Gleichzeitig entsteht zusätzlicher Modernisierungsdruck. Nur energetisch zeitgemäße und funktional nutzbare Gebäude können langfristig attraktiv bleiben. Für Kommunen bedeutet das nicht nur mehr Verantwortung bei der Planung, sondern auch höhere Anforderungen an die strategische Steuerung des Bestands.
Viele Gemeinden verfügen über ältere Wohn- und Verwaltungsgebäude, deren Potenziale bislang nur unzureichend genutzt werden. Leerstehende Immobilien, sanierungsbedürftige Ortskerne oder wenig genutzte öffentliche Gebäude können Entwicklungsmöglichkeiten bieten, wenn ihr Zustand bekannt ist und Investitionen gezielt gesteuert werden. Ohne eine systematische Bestandsanalyse bleibt jedoch oft unklar, welche Maßnahmen sinnvoll sind und welche Kosten tatsächlich entstehen.
Keine belastbaren Haushalte ohne Gebäudedaten
Gerade vor dem Hintergrund knapper Haushalte gewinnt diese Frage an Gewicht. Steigende Baupreise und unsichere Förderkulissen erschweren langfristige Planungen. Wahlprogramme versprechen zwar zusätzliche Mittel, doch selbst umfangreiche Programme können nicht alle Sanierungsbedarfe gleichzeitig abdecken. Viele kommunale Haushaltsansätze beruhen deshalb weiterhin auf groben Schätzungen statt auf belastbaren Gebäudedaten. Investitionsentscheidungen werden dadurch unsicherer, Prioritäten verschieben sich kurzfristig und langfristige Strategien lassen sich nur schwer entwickeln.
In diesem Spannungsfeld gewinnen strukturierte Gebäudedaten zunehmend an Bedeutung. Eine systematische Zustandsbewertung schafft erstmals Transparenz über Sanierungsbedarf, Kostenentwicklung und energetische Schwachstellen. Werkzeuge wie GebäudeCheck der PLAN4 Software GmbH ermöglichen es Kommunen, ihre Gebäude strukturiert zu erfassen und zu bewerten. Visuelle Zustandsanalysen, Kostenschätzungen und energetische Kennwerte werden dabei in einem einheitlichen System zusammengeführt. Auf dieser Grundlage lassen sich Maßnahmen priorisieren und Investitionen in konkrete Budgets übersetzen.
Damit verändert sich auch die Qualität kommunaler Entscheidungen. Investitionen orientieren sich weniger an kurzfristigem Handlungsdruck und stärker an objektiven Kriterien. Gemeinderäte können Maßnahmen nachvollziehbarer abwägen, weil Kosten, Zustände und energetische Effekte transparent vorliegen. Gleichzeitig entsteht eine verlässlichere Grundlage für Haushaltsplanung und mittelfristige Finanzstrategien.
Die Landtagswahl 2026 wird Baupolitik und Förderlogik zweifellos beeinflussen. Doch keine Landesregierung kann die strukturellen Herausforderungen des kommunalen Gebäudebestands abnehmen. Ob politische Programme tatsächlich Wirkung entfalten, hängt wesentlich davon ab, wie gut Städte und Gemeinden ihre eigenen Gebäude kennen. Zwischen Wahlversprechen und Baugerüst entscheidet sich die Zukunft kommunaler Infrastruktur nicht zuletzt an der Qualität der verfügbaren Daten.